Das war der Castor 2010 – das Wendland-Resümee vom Aktionsbündnis „Atomkraft Wegbassen“

Danke an alle ++++ Aktionsbündnis „Wegbassen“ kommt auch nächstes Mal ins Wendland ++++ Verurteilung der systematischen Rechtsbrüche durch die Polizei ++++ Spenden für Camp Hitzacker +++ Dezember: Castor in Lubmin +++ Castor-Nachlese am Donnerstag 18.11. in Berlin

Liebe Freundinnen und Freunde,

wir möchten Euch danken für den erfolgreichen Protest und die erlebnis- und erfahrungsreichen Tage im Wendland. Noch nie hat der Castor so lange gebraucht, noch nie waren so viele Leute bei den Protesten, noch nie wurde soviel geschottert, noch nie gab es so große Sitzblockaden auf den Schienen und Straßen, noch nie soviel Bass in Wald und Flur.

Die meisten von uns waren zuvor noch nie auf Castorprotesten im Wendland und waren überrascht davon, dass hier ein ganzer Landkreis zusammensteht gegen den Atomstaat. Es war wunderbar nachts um drei einen Kaffee angeboten zu bekommen und immer und überall von Menschen in Autos mitgenommen zu werden. Das ist eine neue Erfahrung, eine gute Erfahrung. So macht Protest Spaß. Die Solidarität im Wendland zeigt, was wir erreichen können, wenn Widerständigkeit in breiten Bündnissen quer durch alle Bevölkerungsschichten verankert ist. Hierfür vielen Dank an alle Menschen aus dem Wendland – ihr macht den Protest so stark und es war uns eine Freude mit Euch zusammen zu demonstrieren, zu blockieren und zivilen Ungehorsam in all seinen Facetten zu leisten.

Und wir wollen allen Unterstützerinnen und Unterstützern danken, die im Vorfeld und vor Ort mit ihrem oft spontanen Einsatz, die Kombination von Party und Protest möglich gemacht haben. Ein besonderer Dank geht an die Orga des Camps Hitzacker, die sich auf uns eingelassen haben. Danke für diese Offenheit. Die Tage im Wendland haben nicht nur die Verbindungen im Aktionsbündnis „Atomkraft wegbassen“ gestärkt, sondern auch die Beziehungen zu verschiedenen Bündnissen und Initiativen im Wendland. Darauf lässt sich in Zukunft aufbauen.

Doch es gab nicht nur schöne Seiten. Wir waren geschockt über die brutale Gewalt der Polizei gegenüber Demonstrantinnen und Demonstranten. Ohne jede Ansage wurden Menschen durch die mit Reizgasen, Knüppeln und Schlägen malträtiert mehr als 1000 Verletzte alleine bei der Aktion „Castor Schottern“ sprechen eine deutliche Sprache, dass der Staat gegen legitime Proteste nur das Mittel der Gewalt kennt.

Wir verurteilen die massiven Verletzungen von Grundrechten aller Art ebenso wie den illegalen Einsatz von französischen Polizisten. Eine Auflistung dieser systematischen Rechtsbrüche findet ihr hier: http://www.rav.de/publikationen/mitteilungen/mitteilung/rav-fordert-konsequenzen-aus-systematischen-rechtsbruechen-zur-durchsetzung-des-castortransports-169/

Dass nach so einem Einsatz Politiker der Union versuchen, die besonnen und klug handelnden Demonstranten zu kriminalisieren, war zu erwarten. Dass Politiker jetzt fordern, dass Demonstranten auch noch für den Polizeieinsatz und die Gewalt gegen sie selbst zahlen sollen, verrät viel über das ekelhaft autoritäre Weltbild dieser Politiker. Wir lassen uns durch solchen Bullshit nicht auseinander dividieren: die Vielfalt macht den Protest stark und wir stehen solidarisch mit allen Formen des zivilen Ungehorsams, der im Wendland beim Castor stattgefunden hat.
Autoritäres Politikergewäsch und Kriminalisierungsversuche sind uns ein Ansporn zu noch mehr Protest und vielfältigen, unberechenbaren und bunten Aktionsformen.

Es geht weiter. Das Aktionsbündnis „Atomkraft wegbassen“ hat am Montag bei einem Treffen in Berlin beschlossen, dass es weitergeht und dass wir auch beim nächsten Castor mit dabei sind. Wir wollen aus unseren Erfahrungen von diesem Jahr lernen und beim nächsten Mal noch koordinierter und mit längerer Vorbereitung an die Sache rangehen. Und wir wollen noch mehr Leute mitbringen, damit das erklärte Ziel „den Castor endlich mal aufzuhalten“ beim nächsten Transport wirklich erreicht werden kann. Dazu sollten wir jetzt schon für „7 Tage im Wendland“ mobilisieren. Es war schon dieses Mal knapp für die Polizei – das macht Mut und Lust auf mehr.

Wir wollen allen Menschen danken, die uns beim Aufbau und Abbau, beim Musikmachen, beim Tanzen, beim Koordinieren, Rangieren, Planen und irgendwie sonst geholfen haben. Danke, ihr ward großartig, ohne Euch geht gar nix, liebe bunte Chaosmeute. Und ihr macht Hoffnung, dass eine andere Welt doch irgendwie möglich ist.

In diesem Sinne: bis zum nächsten Mal,

Euer Aktionsbündnis

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Spenden fürs Camp:

Die Camps benötigen dringend noch Geld. Und ihr habt sicherlich nicht alle die angesetzten 5 Euro/Tag in die Campkasse getan. Das könnt ihr jetzt schnell nachholen:

Bankverbindung:
Castor-Camps
Konto: 2026849300
BLZ: 43060967 (GLS Bank)
Verwendungszweck: Hitzacker

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Castor in Greifswald/Lubmin:
Atommülltransporte gibt es nicht nur ins Wendland. Am 16.12. ist Tag X in Lubmin. Die Greifswalder sektion der Hedonistischen Internationale, die auch im Bündnis vertreten war, freut sich auf basslastige Unterstützung, auf Demotrucks, mobile Soundsysteme oder einfach nur nette Leute, die bei den Protesten vorbeischauen.

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Castor-Nachlese am Donnerstag, den 18.11.2010 im Zielona Gora ab 20 Uhr in der Hedo-Bar.